Pariser Staatsanwaltschaft leitet Ermittlungen gegen libertine Seite Wyylde wegen gefilmter Gruppenvergewaltigungen in der Gironde ein
Die Pariser Staatsanwaltschaft hat eine Vorermittlung gegen das libertine soziale Netzwerk Wyylde eingeleitet, das verdächtigt wird, zur Rekrutierung von Männern für gefilmte Gruppenvergewaltigungen genutzt worden zu sein. 19 Männer wurden wegen Vergewaltigung mit Folter und barbarischer Handlungen angeklagt.
Ermittlungen eingeleitet
Die Pariser Staatsanwaltschaft hat am Mittwoch, dem 22. Juli 2026, eine Vorermittlung gegen Wyylde eingeleitet und diese der Pariser Ermittlungsabteilung übertragen. Die Ermittlungen wurden am darauffolgenden Tag, dem 23. Juli, bestätigt, nachdem Politico zuerst darüber berichtet hatte. Die Vorwürfe sind umfangreich: Bereitstellung einer Online-Plattform zur Ermöglichung eines illegalen Geschäfts in einer organisierten Bande, Beihilfe zur Verbreitung von Aufnahmen von Angriffen auf die persönliche Integrität, freiwillige Unterlassung der Verhinderung einer Straftat und Beteiligung an einer kriminellen Vereinigung mit dem Ziel, eine mit zehn Jahren Haft bedrohte Straftat vorzubereiten. Die Ermittlungen werden klären, ob Wyylde seinen rechtlichen Verpflichtungen nachgekommen ist oder als Mittäter gehandelt hat.
Die Ermittlungen werden eingeleitet wegen des Vorwurfs der Bereitstellung einer Online-Plattform zur Ermöglichung eines illegalen Geschäfts in einer organisierten Bande, der Beihilfe zur Verbreitung von Aufnahmen von Bildern im Zusammenhang mit der Begehung eines vorsätzlichen Angriffs auf die Integrität der Person, der freiwilligen Unterlassung der Verhinderung einer Straftat oder eines Vergehens gegen die Integrität einer Person und der Beteiligung an einer kriminellen Vereinigung mit dem Ziel, eine mit zehn Jahren Haft bedrohte Straftat vorzubereiten.
Der Fall Gironde
Die Ermittlungen folgen auf eine Artikelserie von Le Monde im Juli 2026, die einen groß angelegten Fall von Gruppenvergewaltigungen im libertinen Milieu aufdeckte. 19 Männer wurden wegen Vergewaltigung mit Folter und barbarischer Handlungen angeklagt. Die zentrale Figur, Christophe B., geboren 1969, soll Wyylde genutzt haben, um Anzeigen zu schalten, die Männer für Sex mit seinen aufeinanderfolgenden Partnerinnen rekrutierten. Die Opfer, deren psychischer Zustand sich verschlechtert hatte, wurden wiederholten gewaltsamen Vergewaltigungen ausgesetzt, während sie gefilmt wurden. Diese Videos wurden live auf Wyylde übertragen und waren für die Nutzer der Seite einsehbar. Der Staatsanwalt von Bordeaux, Renaud Gaudeul, erklärte Mitte Juli, dass sechs Opfer identifiziert worden seien, von denen fünf Zivilklagen eingereicht haben. Der Fall begann im Jahr 2023, als ein Opfer Anzeige gegen ihren Ex-Partner erstattete, was zur Entdeckung von Hunderten von Videos führte, die bei Christophe B. beschlagnahmt wurden.
Wyyldes Plattform und Reichweite
Wyylde ist ein libertines Dating- und soziales Netzwerk, das von Koala Interactive betrieben wird, einem Unternehmen mit Sitz in Levallois-Perret (Hauts-de-Seine), das vom Entwickler Kais Ahmed gegründet wurde. Die Seite gibt an, 7 Millionen registrierte Nutzer und 700.000 tägliche Besucher zu haben. Sie ist in mehreren europäischen Ländern (Frankreich, Deutschland, Italien, Portugal, Spanien, Belgien) sowie in Lateinamerika, Nordamerika und Asien aktiv. Ursprünglich 2004 als Netechangisme.com gestartet, wurde sie 2016 in Wyylde umbenannt. Die Plattform arbeitet nach einem Freemium-Modell: Der Basiszugang ist kostenlos, aber Nachrichten, Chat, Foto-Sharing und Live-Streaming erfordern ein kostenpflichtiges Abonnement. Im Herbst 2024 schaltete Wyylde eine hochkarätige Werbekampagne in der Pariser U-Bahn und anderen französischen Städten, mit Plakaten, die den Nutzern versprachen, sie könnten „live erleben, was wir hier nicht zeigen können“. Die Kampagne fiel zeitlich mit dem Mazan-Prozess zusammen, in dem Dominique Pélicot das Forum coco.gg nutzte, um Männer zur Vergewaltigung seiner Frau Gisèle Pélicot zu rekrutieren.
Rechtlicher Kontext und Präzedenzfälle
Der Fall coco.gg ist zu einem Referenzpunkt dafür geworden, wie französische Gerichte mit Plattformen umgehen, die illegale Inhalte hosten. Nach dem Pélicot-Prozess prüft die Justiz verstärkt Seiten, die sexuelle Gewalt erleichtern. Die Wyylde-Ermittlungen werden untersuchen, ob die Live-Streaming-Funktionen der Plattform und der Mangel an Moderation die Straftaten ermöglicht haben. Wyylde hat nicht auf Anfragen von BFM TV, Politico oder anderen Medien reagiert. Die Website des Unternehmens beschreibt seine Community als „respektvoll, offen und frei“, aber die auf der Seite zugänglichen Live-Streams umfassen Dutzende von gleichzeitigen exhibitionistischen oder sexuellen Inhalten.
| 2004 | Netechangisme.com gestartet |
|---|---|
| 2016 | Umbenennung in Wyylde |
| 2023 | Erstes Opfer erstattet Anzeige |
| Herbst 2024 | U-Bahn-Werbekampagne gestartet |
| 2026-07-17 | Le Monde veröffentlicht Artikelserie zu dem Fall |
| 2026-07-22 | Pariser Staatsanwaltschaft leitet Ermittlungen gegen Wyylde ein |
| 2026-07-23 | Ermittlungen öffentlich bestätigt |
Quellen
- "Viols filmés" en Gironde : enquête préliminaire du parquet de Paris visant le réseau libertin Wyylde
Le Figaro.fr · 23. Juli - " Viols filmés " en Gironde : une enquête ouverte à Paris visant le réseau social libertin Wyylde
SudOuest.fr · 23. Juli - Au cœur d'une vaste affaire de viols avec tortures, le site de libertinage Wyylde fait désormais l'objet d'une enquête préliminaire du parquet de Paris
BFMTV · 23. Juli - Wyylde : c'est quoi ce site Internet aux 5 millions d'utilisateurs, soupçonné d'avoir hébergé des vidéos de viols en direct ?
Le Parisien · 23. Juli - Le parquet de Paris ouvre une enquête sur le site "libertin" Wyylde
POLITICO · 23. Juli