Giorgia Meloni ruft Vertrauensfrage zu Wahlrechtsreform aus und knüpft Gesetzesvorlage an Regierungsbestand
Die italienische Ministerpräsidentin Giorgia Meloni bestätigte, dass ihre Regierung im Abgeordnetenhaus eine Vertrauensfrage zur Wahlrechtsreform stellen wird, und warnte, dass ein Scheitern vorgezogene Neuwahlen auslösen würde.
Vertrauensfrage zur Wahlrechtsreform
Die italienische Ministerpräsidentin Giorgia Meloni kündigte am 16. September 2026 an, dass ihre Regierung dem Abgeordnetenhaus eine Vertrauensfrage zu ihrer vorgeschlagenen Wahlrechtsreform stellen wird, sobald der Gesetzesentwurf in die Kammer zurückkehrt. Das vom Senat am 15. September 2026 verabschiedete Gesetz führt die Vorzugsstimme für Kandidaten wieder ein, zusammen mit einem Verhältniswahlsystem mit einer Mehrheitsprämie für Koalitionen, die 42 % der Stimmen erreichen. Die Maßnahme, von Befürwortern als Stabilicum und von Oppositionsparteien als Melonellum bezeichnet, streicht auch die alternierende Geschlechterquote auf Kandidatenlisten. Meloni verknüpfte die parlamentarische Abstimmung direkt mit dem Fortbestand ihres Kabinetts und bestätigte, dass eine Niederlage zu vorgezogenen Neuwahlen führen würde, bevor die Abgeordneten der ersten Legislaturperiode Anspruch auf Parlamentspensionen haben.
| 2026-07 | Abgeordnetenhaus lehnt Änderungsantrag zur Einführung der Vorzugsstimme ab |
|---|---|
| 2026-09-15 | Senat verabschiedet Wahlreformgesetz mit Vorzugsstimmen und Mehrheitsprämie |
| 2026-09-16 | Ministerpräsidentin Meloni kündigt Vertrauensfrage für die Verabschiedung im Abgeordnetenhaus an |
| 2026-09-28 | Abgeordnetenhaus eröffnet die Plenardebatte zur Wahlreform |
Meloni sprach vor Journalisten im Palazzo Chigi nach einer Ministerratssitzung gemeinsam mit den stellvertretenden Ministerpräsidenten Antonio Tajani und Matteo Salvini. Sie nannte die Ablehnung einer früheren Änderung zu Vorzugsstimmen im Abgeordnetenhaus im Juli 2026 als Grund für den Verfahrensschritt, um Abweichler in den eigenen Reihen bei einer geheimen Abstimmung zu verhindern. Meloni erklärte, die Reform werde sicherstellen, dass die Wähler direkt ihre Koalition, den Kandidaten für das Amt des Ministerpräsidenten, das Regierungsprogramm und den lokalen Abgeordneten wählen.
Ich halte es für eine Frage der Klarheit, die Vertrauensfrage zu einem Gesetz zu stellen, das Vorzugsstimmen enthält.
Koalitionsdynamik und Widerstand der Opposition
Die Oppositionsparteien kündigten geschlossenen Widerstand gegen die Maßnahme an, bevor sie am 28. September 2026 planmäßig im Abgeordnetenhaus eintrifft. Die Vorsitzende der Demokratischen Partei, Elly Schlein, erklärte, die Opposition werde versuchen, die parlamentarische Mehrheit während der Abstimmungen zu besiegen. Meloni äußerte sich auch zu politischen Spannungen um Roberto Vannacci und seine Partei Futuro Nazionale, die derzeit bei knapp 8 % liegt (einen Punkt über Forza Italia und 2,5 Punkte über der Lega). Meloni wies Vorschläge für ein Wahlbündnis mit Vannacci zurück und stellte fest, dass seine Abgeordneten auf Mitte-Rechts-Listen gewählt wurden, nun aber mit der Opposition stimmen.
Für mich ist es immer viel wichtiger, zu gewinnen, um zu regieren, als zu gewinnen, um nicht zu regieren.
Meloni verteidigte zudem Salvini hinsichtlich seines jüngsten Treffens mit italienischen Wirtschaftsvertretern und dem russischen Botschafter. Sie bezeichnete das Treffen als übliche diplomatische Praxis und wies darauf hin, dass Italien eine akkreditierte russische Botschaft in Rom unterhält und die bilateralen diplomatischen Beziehungen nicht abgebrochen habe.
Abschaffung der Kfz-Steuer und fiskalische Maßnahmen
Während derselben Kabinettssitzung billigte die Regierung die Abschaffung der jährlichen Kfz-Steuer ab 2027. Die Steuersenkung gilt für das primär genutzte Fahrzeug einer Person bis zu einer bestimmten Motorleistungsschwelle und spiegelt frühere Mitte-Rechts-Steuerbefreiungen für selbstgenutztes Wohneigentum wider. Meloni erklärte, die Politik entlaste Eigentumsbesitz, anstatt Vermögenssteuern zu erheben, während das Ministerium für Wirtschaft und Finanzen daran arbeite, die haushaltspolitischen Deckungsmöglichkeiten zu identifizieren, um die Kürzung dauerhaft zu machen. Der fiskalische Beschluss fällt mit breiteren wirtschaftlichen Rahmenbedingungen zusammen, die ein prognostiziertes jährliches Wachstum von 1 % und die Verwaltung von 200 Milliarden Euro an europäischen Wiederaufbaumitteln umfassen.
Zeitplan im Abgeordnetenhaus und parlamentarische Risiken
Das Wahlgesetz kehrt am 28. September 2026 zur Debatte ins Abgeordnetenhaus zurück, die Schlussabstimmungen sind für Anfang Oktober vorgesehen. Während eine Vertrauensfrage eine offene namentliche Abstimmung über das Regierungsmandat erzwingt, erlauben die parlamentarischen Verfahren dennoch eine anschließende geheime Abstimmung über den endgültigen Gesetzesentwurf. Ähnliche Verfahrensbedingungen hatten zuvor Ministerpräsident Francesco Cossiga am 27. September 1980 betroffen, als sein Wirtschaftsdekret die Vertrauensfrage mit 329 zu 264 Stimmen bestand, aber die abschließende geheime Abstimmung mit 298 zu 297 Stimmen verfehlte, was zu seinem Rücktritt führte. Meloni bekräftigte, dass sie beabsichtige, bis zum Ende der Legislaturperiode zu regieren, sofern die parlamentarische Mehrheit geschlossen bleibt, und machte die bevorstehende Oktober-Abstimmung zum entscheidenden Test für die Regierungsstabilität.
Quellen
- E Meloni chiude al voto in anticipo: "Arriviamo alla fine della legislatura
lastampa.it · 16. Sept. - Meloni: "Arriviamo a fine mandato". Legge elettorale, ci sarà la fiducia
Il Messaggero · 16. Sept. - Meloni: "Voglio arrivare fino alla fine della legislatura". E blinda la maggioranza: "È solida
lastampa.it · 16. Sept. - Meloni saluta il generale: "Noi con Vannacci? Per me è più importante vincere per governare, che vincere per non governare"
Open · 16. Sept. - Meloni: 'Finché ho maggioranza solida intendo governare'
AGI · 16. Sept. - Meloni: "Voglio arrivare a fine legislatura. Fiducia su legge elettorale è un fatto di chiarezza
La Repubblica.it · 16. Sept. - Alla Meloni conviene tenersi la legge elettorale che c'è
Corriere della Sera · 16. Sept. - Legge elettorale: la fiducia non blinda la legge, il caso Cossiga del 1980
Adnkronos · 16. Sept.