Staatsanwaltschaft Hannover durchsucht Immobilien des Berliner SPD-Spitzenkandidaten Steffen Krach
Ermittler durchsuchten zehn Tage vor der Landtagswahl Immobilien in Berlin und Hannover, die mit dem SPD-Spitzenkandidaten Steffen Krach in Verbindung stehen, im Rahmen einer Krankenhaus-Vergabeaffäre.
Durchsuchungen in Berlin und Hannover
Am Mittwochmorgen, dem 9. September 2026, durchsuchten Ermittler der Staatsanwaltschaft Hannover drei Immobilien, die mit dem Berliner SPD-Spitzenkandidaten Steffen Krach in Verbindung stehen. Die Durchsuchung betraf Krachs Privatwohnung in Berlin-Schöneberg, die Berliner SPD-Parteizentrale in Wedding und sein früheres Dienstzimmer in Hannover. Krach berichtete, dass Beamte ihn vor seiner Wohnung ansprachen, während er sich in einem Telefonat mit dem Berliner Innensenator über die Hauptstadtfinanzierung befand, und ihm das Mobiltelefon direkt vom Ohr wegnahmen. Die Beamten blieben in der Wohnung bei seiner Frau und seinen beiden Söhnen im Alter von 4 und 12 Jahren, während Krach zu einer bereits geplanten Podiumsdiskussion zur Wohnungspolitik im Paul-Gerhardt-Stift in Wedding aufbrach. Die Staatsanwaltschaft Hannover bestätigte die Durchsuchungen unter Berufung auf die Unschuldsvermutung und nannte keine konkreten Details zu den Vorwürfen.
| 2025 | Krach lässt sich als Regionspräsident von Hannover beurlauben, um den Berliner SPD-Wahlkampf zu führen |
|---|---|
| 2026-09-08T19:00 | Niedersächsisches Justizministerium erhält erste Unterrichtung ohne Nennung des Beschuldigtennamens |
| 2026-09-09T08:00 | Staatsanwaltschaft Hannover legt schriftlichen Bericht vor, der Krach identifiziert |
| 2026-09-09 | Ermittler durchsuchen drei Immobilien in Berlin und Hannover und beschlagnahmen Krachs Telefon |
| 2026-09-10 | Krach setzt Wahlkampfauftritte mit Lars Klingbeil und Klimaaktivisten fort |
| 2026-09-20 | Berliner Abgeordnetenhauswahl findet statt |
Klinik-Vergabe und zurückgezahlte Spende
Die Ermittlungen konzentrieren sich auf den Verdacht der Bestechlichkeit im Zusammenhang mit Krachs früherer Rolle als Regionspräsident von Hannover, ein Amt, das er von 2021 bis zu seiner Beurlaubung im Sommer 2025 innehatte. Während seiner Amtszeit in Hannover war Krach Vorsitzender des Aufsichtsrats des Klinikums der Region Hannover und schlug die Umwandlung eines örtlichen Krankenhausgeländes in ein regionales Gesundheitszentrum vor. Im Raum steht der Verdacht, dass ein Bieter, der sich um den Betrieb der Gesundheitseinrichtung bewarb, um die Jahreswende 2025/2026 eine Wahlkampfspende an die Berliner SPD geleistet haben soll. Krach wies alle Vorwürfe der Bestechlichkeit oder unzulässigen Einflussnahme während des Vergabeverfahrens zurück und erklärte, die Spende in Höhe von 9.500 Euro des erfolglosen Bieters sei innerhalb von 24 Stunden nach Eingang zurücküberwiesen worden.
Ich habe zu keiner Zeit von diesem Bieter irgendeine Summe angenommen, weder privat noch als SPD-Landesvorsitzender.
Unterrichtung des niedersächsischen Ministeriums
Das Verfahren führte auch zu Überprüfungen innerhalb der niedersächsischen Landesregierung bezüglich der Benachrichtigungsverfahren der Staatsanwaltschaft. Die niedersächsische Justizministerin Kathrin Wahlmann wurde am Dienstag, dem 8. September 2026, gegen 19:00 Uhr telefonisch unterrichtet, wobei die Identität des Beschuldigten in diesem ersten Anruf nicht genannt wurde. Mitarbeiter des Ministeriums teilten lediglich mit, dass es sich bei der Untersuchung um einen SPD-Kandidaten bei anstehenden Wahlen handele, woraufhin Wahlmann annahm, es gehe um einen Kandidaten bei den niedersächsischen Kommunalwahlen. Die Ministerin erhielt am Mittwochmorgen um 08:00 Uhr einen formellen schriftlichen Bericht der Staatsanwaltschaft Hannover, in dem Krach namentlich genannt wurde. Am selben Tag gaben die Ermittler in Hannover auch die Aufnahme von Ermittlungen gegen den CDU-Bürgermeisterkandidaten Peter Karst wegen nicht gezahlter Sozialversicherungsbeiträge für Ausbilder der Handwerkskammer Hannover bekannt.
Wahlkampf vor der September-Abstimmung
Krach wandte sich am Mittwochabend an den Vorstand und die Fraktion der Berliner SPD, um seine Sicht des Falles darzulegen. Die Berliner Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey bestätigte, dass die Parteiführung seine Erklärungen ohne Zweifel akzeptiert habe.
Nach der Art und Weise, wie Steffen Krach gestern alles geschildert hat, haben die Parteimitglieder ihm ihre volle Solidarität und Unterstützung ausgesprochen.
Krach bekräftigte, dass sein Wahlkampf für die Berliner Abgeordnetenhauswahl am 20. September 2026 wie geplant fortgesetzt werde. Zu seinen unmittelbaren Terminen gehören ein gemeinsamer Auftritt mit dem Bundesvorsitzenden der SPD, Lars Klingbeil, und eine von Fridays for Future veranstaltete Debatte mit der Klimaaktivistin Luisa Neubauer. Vor der Wahl sehen Umfragen die Berliner SPD zwischen 11 % und 15 %.
Ich werde in den nächsten elf Tagen hier in Berlin weiter Wahlkampf machen.
Quellen
- Ermittlungen kurz vor Wahl: Giffey: SPD-Spitzenkandidat Krach hat volle Solidarität
ZEIT ONLINE · 10. Sept. - Krach-Razzia: Leser sehen die SPD unter Druck
Focus · 10. Sept. - Sie dachte an einen Kommunalpolitiker: Niedersachsens Justizministerin ahnte nicht, dass die Razzia Steffen Krach galt
Der Tagesspiegel · 10. Sept. - Nach Ermittlungen - SPD-Spitzenmann macht weiter Wahlkampf
DIE WELT · 10. Sept. - Berlin vor der Wahl: Nach Ermittlungen - SPD-Spitzenmann macht weiter Wahlkampf
ZEIT ONLINE · 10. Sept. - Ermittlungen kurz vor der Wahl: Krach will trotz Vorwürfen weiter SPD-Wahlkampf machen
ZEIT ONLINE · 9. Sept. - Krach beschreibt den Moment der Razzia: "Ich habe kleine Kinder und sie haben das alles mitbekommen
Der Tagesspiegel · 9. Sept. - "Das macht was mit einem": SPD-Politiker Krach weist Bestechlichkeitsvorwürfe als "absolut haltlos" zurück
N-tv · 9. Sept.