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Gesundheit & Bildung · ab · akt. · 8 Quellen

Tausende protestieren am 22. Oktober in ganz Polen für kostenlosen, legalen Zugang zu Abtreibungen

Demonstrantinnen und Demonstranten in Warschau, Danzig und mehr als 20 weiteren Städten forderten am Donnerstag, 22. Oktober 2026, einen kostenlosen und legalen Zugang zu Abtreibungen. Die Proteste folgten auf die Verabschiedung zweier Reformgesetze durch das Parlament am 20. Oktober, gegen die der Präsident voraussichtlich sein Veto einlegen wird.

Proteste in mehr als 20 Städten

Am Donnerstag, 22. Oktober 2026, versammelten sich Demonstrierende in Warschau und anderen polnischen Städten, um zu fordern, dass Abtreibung kostenlos, sicher und legal wird. Die Quellen unterscheiden sich bei der Zahl der Orte: tagesschau zählte 28 Städte, OKO.press berichtete von 27, Polityka nannte mehr als 30, und Deutsche Welle und Al Jazeera schrieben von mehr als 20. Al Jazeera und RP Online bezifferten die Menge in Warschau auf etwa 1.000 Menschen, die im Regen vor dem Parlament standen. In Danzig zählte OKO.press mehrere Hundert Demonstrierende bei einer von der Fundacja Widzialne organisierten Kundgebung.

Die Rechtslage hinter den Protesten

Abtreibungen sind in Polen derzeit nur nach Vergewaltigung oder Inzest zulässig oder wenn die Schwangerschaft das Leben oder die Gesundheit der Mutter gefährdet. Die Einschränkungen wurden 2020 verschärft, als das Verfassungsgericht am 22. Oktober 2020 entschied, dass Abtreibungen bei schweren, irreversiblen Fehlbildungen des Fötus nicht erlaubt sind. Frauen, die ihre eigene Schwangerschaft beenden, auch mit Pillen, machen sich laut Al Jazeera und Deutscher Welle nicht strafbar. Ärztinnen und Ärzte, Familienangehörige und andere, die ihnen helfen, können mit bis zu drei Jahren Haft bestraft werden, und tagesschau berichtet, dass Abtreibungspillen legal kaum zugänglich sind. Aktivistinnen und Aktivisten zufolge finden jedes Jahr Zehntausende Abtreibungen außerhalb von Krankenhäusern statt. Die von SRF zitierten NFZ-Zahlen zeigen 452 Abtreibungen in Polen im Jahr 2022 und 851 im Jahr 2025.

Abtreibungen in Polen nach NFZ-Daten
Abtreibungen
2022452
2025851

Gesetzesentwürfe und das erwartete Veto

Am 20. Oktober 2026 verabschiedete das Parlament zwei Gesetzesentwürfe. Einer würde Abtreibung und die Hilfe dabei teilweise entkriminalisieren, der andere würde Abtreibung bei schweren Fehlbildungen des Fötus erlauben und damit das Urteil von 2020 umkehren. Gegen beide wird Präsident Karol Nawrocki voraussichtlich sein Veto einlegen; er ist ein Konservativer, der von der oppositionellen PiS unterstützt wird. Ministerpräsident Donald Tusk hatte vor der Wahl 2023 versprochen, die Regeln zu lockern, doch Streitigkeiten innerhalb seiner Koalition haben den Fortschritt gebremst. Die Demonstrierenden argumentieren, die Regierung habe die Reform erst ein Jahr vor der nächsten Parlamentswahl begonnen.

Schlüsseldaten im polnischen Abtreibungsstreit
22. Okt. Das Verfassungsgericht entscheidet, dass Abtreibung bei schweren Fehlbildungen des Fötus nicht erlaubt ist
20. Okt. Das Parlament verabschiedet zwei Gesetzesentwürfe zur Lockerung der Abtreibungsregeln
22. Okt. Proteste in Warschau und mehr als 20 weiteren Städten

Was die Protestierenden fordern

Die Organisatoren – darunter die Fundacja Widzialne, das Abortion Dream Team und der Ogólnopolski Strajk Kobiet – formulierten fünf Forderungen, darunter eine Abtreibung, die sicher, kostenlos und ohne Halbheiten zugänglich ist, und keine Verbote mit drei Ausnahmen. Auf Transparenten in Warschau stand laut Deutscher Welle „Women's hell continues“ und „Men of quality don't fear equality“. Emilia Niemiec, 36, Leiterin des Abtreibungszentrums AboTak, beschrieb die Lage gegenüber Al Jazeera:

In den vergangenen sechs Jahren hat sich wirklich nichts geändert.

— Emilia Niemiec

Kinga Jelinska, Direktorin der Women Help Women Foundation, sagte gegenüber AFP, die Gesetzesentwürfe der Regierung seien zu eng gefasst:

Die Aktivistinnen und Aktivisten warfen der Regierung zudem vor, nur zu handeln, um bei der Wahl im kommenden Jahr die Stimmen der Frauen zu gewinnen; auch in London gab es einen Protest von Frauen gegen die polnischen Abtreibungsregeln.

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Quellen