Vier Polizisten in Carcassonne nach geleakter Bodycam-Aufnahme suspendiert
Die französische Justiz hat vier Gemeindepolizisten in Carcassonne suspendiert, nachdem ein geleaktes Streifenvideo Hassreden offenbarte. Das Innenministerium leitete eine Prüfung ein, und die Partei schloss Mitglieder aus.
Versehentliche Aufnahme und geleaktes Filmmaterial
Die regionale Tageszeitung Midi Libre veröffentlichte am 8. September 2026 Auszüge aus einer sechsstündigen Bodycam-Aufnahme der Polizei, die am 5. November 2025 während einer Streife in Carcassonne entstanden war. Die Aufnahme, von der der leitende Beamte annahm, sie sei deaktiviert, zeigt vier Gemeindepolizisten, die wiederholt rassistische Beschimpfungen, frauenfeindliche Äußerungen und homophobe Beleidigungen äußern. Der aufgezeichnete Dialog enthielt Beleidigungen gegen Nordafrikaner und Schwarze, abfällige Bemerkungen über den Algerienkrieg sowie Verschwörungstheorien über die First Lady Brigitte Macron. Während der Streife befürwortete ein Beamter zudem eine autoritäre Machtübernahme und erklärte, ein Militärputsch wäre gut für Frankreich.
Gerichtsverfahren und administrative Aufsicht
Nach der Veröffentlichung in den Medien gab die Staatsanwältin von Carcassonne, Géraldine Labialle, am 9. September 2026 bekannt, dass die Justiz die Suspendierung aller vier beteiligten Beamten und den Entzug ihrer Berufszulassungen veranlasst habe. Die Staatsanwaltschaft leitete ein Ermittlungsverfahren wegen öffentlicher Verleumdung von Personengruppen aufgrund ihrer Herkunft, Ethnie, ihres Geschlechts und ihrer sexuellen Orientierung ein. Das Gerichtsverfahren geht auf eine Strafanzeige zurück, die der Streifenführer am 31. Dezember 2025 bei der Gendarmerie in Trèbes erstattet hatte und in der er eine Verletzung der Privatsphäre geltend machte, nachdem das Video auf der Polizeiwache die Runde gemacht hatte. Die Gemeindeverwaltung hatte am 23. Dezember 2025 eine interne Verwaltungsuntersuchung eingeleitet, deren Ergebnisse jedoch noch ausstanden. Der französische Innenminister Laurent Nuñez kündigte am 9. September 2026 an, dass die Generalinspektion der Verwaltung (IGA) eine umfassende Prüfung der Gemeindepolizei von Carcassonne durchführen werde.
| 2025-11-05 | Bodycam zeichnet versehentlich sechs Stunden Audio- und Videomaterial einer Streife auf. |
|---|---|
| 2025-12-23 | Die Gemeindeverwaltung von Carcassonne leitet eine interne Untersuchung ein. |
| 2025-12-31 | Der Streifenführer erstattet Strafanzeige wegen Verletzung der Privatsphäre bei der Gendarmerie in Trèbes. |
| 2026-03 | Der Hauptbeamte nimmt seinen Dienst nach einer Krankschreibung wieder auf. |
| 2026-09-08 | Die Regionalzeitung Midi Libre veröffentlicht Auszüge des geleakten Videos. |
| 2026-09-09 | Staatsanwältin ordnet Suspendierungen an, Innenministerium leitet Inspektion ein. |
Politische Folgen und Parteiausschluss
Der Hauptbeamte, der in der Aufnahme zu hören ist, ist ein Gemeindebrigadechef, ehemaliger Soldat und registriertes Mitglied des Rassemblement National (RN). Der Beamte hatte zuvor im Februar 2026 bei einem politischen Besuch von RN-Chef Jordan Bardella in Carcassonne freiwillig Sicherheitsdienste geleistet. Nach der öffentlichen Verbreitung der Aufnahme schloss die Führung des Rassemblement National den Beamten aus der Partei und ihrem Sicherheitsdienst aus. Der Bürgermeister von Carcassonne, Christophe Barthès, verurteilte die Äußerungen am 9. September 2026 in einer öffentlichen Stellungnahme.
Diese Äußerungen sind skandalös. Rassistische, frauenfeindliche, homophobe und von Verschwörungstheorien geprägte Äußerungen, die krankhaft und unentschuldbar sind.
Der Vizepräsident des Rassemblement National und Bürgermeister von Perpignan, Louis Aliot, äußerte sich am 10. September 2026 zu dem Vorfall und bezeichnete ihn als Einzelfall und nicht als systemisches Problem innerhalb der Partei.
Seit Marine Le Pen die Führung der Partei übernommen hat, werden Leute, die nicht zu uns passen, systematisch ausgeschlossen.
Reaktionen der Anwohner
Im Wohnviertel Ozanam in Carcassonne erklärten Anwohner, dass das enthüllte Verhalten langjährige Beschwerden über die Gemeindepolizei widerspiegele. Anwohner, darunter der 44-jährige Mohammed und der Anwohner Morad, berichteten von diskriminierendem Verhalten und konfrontativen Methoden der Gemeindebeamten und stellten diese Begegnungen der kooperativen Zusammenarbeit mit der nationalen Polizei gegenüber. In der Innenstadt berichtete der Anwohner Anthony von häufigen Profiling-Kontrollen aufgrund des äußeren Erscheinungsbildes. Die Gleichstellungsministerin Aurore Bergé bezeichnete die Aussagen im französischen Radio als rechtswidrige Straftaten, während Gemeindeprotokolle belegen, dass der Hauptbeamte nach einer Krankschreibung infolge der ersten internen Verbreitung des Videos im März 2026 wieder seinen Dienst angetreten hatte.
Quellen
- REPORTAGE. "Ils sont là pour taper sur la racaille" : à Carcassonne, les habitants de la cité Ozanam dénoncent les méthodes de la police municipale
Franceinfo · 10. Sept. - Propos racistes à Carcassonne: les policiers sont suspendus
7sur7 · 10. Sept. - Édito. À Carcassonne, des propos racistes ramènent le RN à ses "brebis galeuses"
Franceinfo · 10. Sept. - "C'est un cas isolé" et une "affaire purement montée", assure le vice-président du RN Louis Aliot après la révélation des propos racistes d'un policier municipal à Carcassonne
Franceinfo · 10. Sept. - Vídeo mostra chefe de polícia da RN a fazer comentários de ódio. Le Pen expulsou-o do partido
Observador · 9. Sept. - France: le parquet ordonne la suspension des policiers de Carcassonne accusés de propos racistes
RFI · 9. Sept. - Le parquet de Carcassonne ordonne la suspension de quatre policiers municipaux après des propos racistes
Le Temps · 9. Sept. - A Carcassonne, les dérapages racistes d'un policier municipal
Franceinfo · 9. Sept.