Mietpreise in Niedersachsen steigen in fünf Jahren um 24,7 Prozent – Sozialwohnungsbestand schrumpft um 40.000
Die Angebotsmieten im deutschen Bundesland erreichten 2025 mit 9,69 €/m² einen Rekordwert, während seit 2015 fast 40.000 Sozialwohnungen verloren gingen, wie Regierungsdaten zeigen.
Die Zahlen
Die Angebotsmieten in Niedersachsen stiegen zwischen 2020 und 2025 um 24,7 Prozent und erreichten im vergangenen Jahr durchschnittlich 9,69 Euro pro Quadratmeter – ein Rekordhoch. Die Zahlen stammen aus der Antwort der Bundesregierung auf eine parlamentarische Anfrage der Linksfraktion, veröffentlicht am 24. Juli 2026. Im gleichen Zeitraum schrumpfte der Bestand an Sozialwohnungen im Land seit 2015 um fast 40.000 Einheiten, trotz tausender Neubauten. Die Zahlen deuten auf eine wachsende Kluft zwischen marktüblichen Neubauten und dem Verlust mietpreisgebundener Wohnungen hin.
Belastung der Haushalte
Mehr als jeder dritte Haushalt gibt mittlerweile mindestens 30 Prozent des Nettoeinkommens für die Kaltmiete aus, so die Daten. Rund 253.000 Haushalte verwenden 40 Prozent oder mehr ihres Einkommens für die Miete – eine Schwelle, die allgemein als schwere finanzielle Belastung gilt. Die Linke bezeichnete die Lage als eine sich dramatisch verschärfende Wohnungskrise.
Wohnen wird für immer mehr Menschen zum finanziellen Belastungstest. Das ist das Ergebnis einer gescheiterten Mietpolitik, die den Markt gewähren lässt, anstatt konsequent bezahlbaren Wohnraum zu sichern.
Politische Forderungen
Jorrit Bosch, Bundestagsabgeordneter der Linken, sagte, die bestehende Mietpreisbremse sei wirkungslos und zu leicht zu umgehen. Er forderte eine verbindliche Mietobergrenze, um weitere Steigerungen zu stoppen. Bosch argumentierte, dass der Fokus allein auf Neubauten am Kern vorbeigehe, weil die Mieten trotz tausender neuer Wohnungen weiter stiegen. Er betonte, dass dauerhaft bezahlbare Wohnungen in kommunaler oder genossenschaftlicher Hand nötig seien, nicht profitorientierte Bauten.
Es kommt nicht nur darauf an, dass gebaut wird, sondern für wen gebaut wird. Was fehlt, sind dauerhaft bezahlbare Wohnungen in kommunaler oder genossenschaftlicher Hand statt profitorientiertem Bauen.
Regionale Hotspots
Die teuersten Gebiete im Jahr 2025 waren der Landkreis Harburg mit 12,31 Euro pro Quadratmeter (plus 28,1 Prozent in fünf Jahren), die Stadt Oldenburg mit 11,68 Euro (plus 31,8 Prozent) und der Landkreis Lüneburg mit 11,53 Euro (plus 28,5 Prozent). Die stärksten Anstiege gab es jedoch anderswo. Im Landkreis Cuxhaven stiegen die Mieten um 45,1 Prozent auf 9,75 Euro pro Quadratmeter, im Landkreis Emsland um 43,5 Prozent auf 9,79 Euro und in der Grafschaft Bentheim um 41,8 Prozent auf 10,51 Euro. Diese ländlichen und kleinstädtischen Kreise übertrafen die städtischen Zentren, was darauf hindeutet, dass sich die Bezahlbarkeitskrise über die Großstädte hinaus ausbreitet.
| % | |
|---|---|
| Landkreis Cuxhaven | 45.1 |
| Landkreis Emsland | 43.5 |
| Grafschaft Bentheim | 41.8 |
Quellen
- Steigende Mieten belasten Haushalte stark
DIE WELT · 24. Juli - Hohe Preise für Wohnen: Steigende Mieten belasten Haushalte stark
ZEIT ONLINE · 24. Juli - Niedersachsen & Bremen: Steigende Mieten belasten Haushalte stark
N-tv · 24. Juli