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Brandstiftung vermutet: Feuer zerstört Hitlers Kehlsteinhaus, das „Eagle's Nest“, in Bayern weitgehend

Nach einem Feuer, das das Kehlsteinhaus am Obersalzberg über Berchtesgaden am Abend des 23. Oktober weitgehend zerstörte, vermutet die Polizei Brandstiftung. Ein 33-jähriger Mann wurde festgenommen; die Staatsanwaltschaft erklärt, er sei psychisch krank.

Was in der Nacht geschah

Das Kehlsteinhaus, international als Eagle's Nest bekannt, wurde am Abend des 23. Oktober am Obersalzberg über Berchtesgaden durch ein Feuer weitgehend zerstört. Nach Angaben der von Spiegel zitierten Polizei löste ein Rauchmelder in dem Gebäude gegen 21.50 Uhr aus, und die ersten Rettungskräfte erreichten den Ort um 21.52 Uhr und fanden das Gebäude in Vollbrand vor. NOS hingegen berichtete, das Feuer sei gegen 21.15 Uhr ausgebrochen, die Quellen nennen also unterschiedliche Zeiten. Zum Zeitpunkt des Brandes hielt sich nach vorliegenden Erkenntnissen niemand im Gebäude auf, und die Polizei meldete außer dem Tatverdächtigen keine Verletzten. Die Polizei geht von Brandstiftung aus; die Staatsanwaltschaft Traunstein und die Kriminalpolizei führen die Ermittlungen.

Zeitleiste des Brandes im Kehlsteinhaus, 23. bis 24. Oktober 2026
23. Okt. 21:15Laut NOS brach das Feuer gegen 21.15 Uhr aus
23. Okt. 21:50Rauchmelder im Kehlsteinhaus löst aus, nach Angaben der von Spiegel zitierten Polizei
23. Okt. 21:52Erste Rettungskräfte erreichen den Ort und finden das Gebäude in Vollbrand vor
24. Okt. Der Tatverdächtige wird einem Ermittlungsrichter in Rosenheim vorgeführt

Festnahme und Zustand des Tatverdächtigen

Die Polizei nahm einen Mann auf einem Motorrad fest, der auf der schmalen, steilen Zufahrtsstraße zu dem Gelände auf die Einsatzkräfte zugefahren war, wie Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) der dpa sagte. Herrmann sagte, der Mann, der aus der Region stamme, sei verletzt und zunächst in ein Krankenhaus gebracht worden; er dankte der Polizei für ihr Eingreifen. Am 24. Oktober wurde der 33-jährige Deutsche einem Ermittlungsrichter in Rosenheim vorgeführt; die Staatsanwaltschaft strebt an, ihn in einer forensischen Psychiatrie für psychisch kranke Straftäter unterzubringen. Staatsanwalt Rainer Vietze sagte auf einer Pressekonferenz in Berchtesgaden, eine kurze psychiatrische Begutachtung habe ergeben, dass der Mann psychisch krank sei, und es sei mindestens von verminderter Schuldfähigkeit auszugehen. Die Ermittler prüfen auch ein mögliches politisches Motiv, doch Vietze sagte, man stehe bei dieser Frage erst ganz am Anfang. Laut dpa versuchte der Mann zudem, mit seinem Motorrad zu fliehen, bevor er gestoppt wurde.

Löscharbeiten und Schäden

Die Feuerwehr hatte Mühe, den auf 1.834 Metern gelegenen Ort zu erreichen, wo Schnee und Regen sowohl die Anfahrt als auch die Löscharbeiten erschwerten. NOS berichtete, rund 250 Feuerwehrleute aus sechs Gemeinden seien im Einsatz gewesen, die DW nannte eine Zahl von etwa 200. Der Einsatz musste aus Sicherheitsgründen mehrere Stunden unterbrochen werden, und die Einsatzkräfte konnten das Gebäude nur mit schwerem Atemschutz betreten. Polizeisprecherin Lisa Maier beschrieb die Bedingungen vor Ort.

Man kann das Gebäude nur mit schwerem Atemschutz betreten.

— Lisa Maier

Bis zum 24. Oktober war das Feuer unter Kontrolle, doch die Nachlöscharbeiten sollten sich laut Prognose bis in den Nachmittag ziehen, weil herabfallende Trümmer die Einsatzkräfte am Betreten des Gebäudes hindern. Das Ausmaß der Bauschäden ist weiterhin unklar, und das Gelände um das Gebäude bleibt für Besucher gesperrt.

Die Geschichte des Gebäudes

Die Nationalsozialisten errichteten das Kehlsteinhaus 1937 und 1938 als Teil der Anlage, die Hitler am Obersalzberg nutzte; es sollte als abgelegener Ort für den Empfang von Diplomaten und ausländischen Gästen dienen. Laut ANSA besuchte Hitler es nur wenige Male, und die DW merkt an, Historiker seien der Auffassung, es habe die von den Nationalsozialisten geplante Rolle nie erfüllt. Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs nahmen US-Truppen es ein, so die DW; seit 1952 wird es als Gedenkstätte und Bergrestaurant betrieben. Der Zweckverband Bergerlebnis Berchtesgaden, der das Ausflugsziel betreibt, schreibt auf seiner Website:

Tatsächlich blieb die Bedeutung des Kehlsteinhauses gering.

— Zweckverband Bergerlebnis Berchtesgaden

Das Gebäude liegt auf 1.834 Metern Höhe und wird mit Bussen der Kehlsteinlinie durch fünf Tunnel erreicht; die Deutsche Bahn gibt die Fahrt mit 20 Minuten an, die letzten 100 Höhenmeter werden per Aufzug oder zu Fuß zurückgelegt. Laut DW kommen jährlich etwa 350.000 Besucher.

Wiederaufbau und nächste Schritte

Herrmann hat erklärt, das Gebäude solle wiederaufgebaut werden; laut NOS gehört das Anwesen dem deutschen Staat. Die Ermittlungen liegen nun bei der Staatsanwaltschaft Traunstein und der Kriminalpolizei, während die Entscheidung über eine Unterbringung des Tatverdächtigen in der Forensik noch aussteht. Das Ausmaß der Bauschäden wird erst klar werden, wenn die Gefahr herabfallender Trümmer es Ermittlern und Ingenieuren erlaubt, das Gebäude zu betreten. Der Tagesspiegel berichtete, das Gelände sollte bis zum 8. November für die Saison geöffnet bleiben.

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Quellen